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Material­zuschlag und Wagnis und Gewinn

Ratgeber Kalkulation · Stand: September 2026

Von Fabian Brüdgam, Meister im Elektrotechnik-Handwerk

Zwei Prozentsätze entscheiden, ob ein Angebot Geld verdient: der Zuschlag auf das Material und der Zuschlag für Wagnis und Gewinn. Beide werden oft aus dem Bauch gesetzt oder ganz weggelassen. Hier sehen Sie, was sie abdecken, wie Sie beide aus Ihren eigenen Zahlen berechnen und was sie in einer einzelnen Position ausmachen.

1Was der Materialzuschlag abdeckt

Material kostet mehr als der Preis auf der Rechnung des Großhändlers. Bis es verbaut ist, entstehen weitere Kosten, die keiner einzelnen Baustelle zuzuordnen sind:

  • Vorfinanzierung: Sie bezahlen den Großhandel, bevor der Kunde Sie bezahlt.
  • Bruch, Schwund und Retouren: beschädigte Ware, Reste, Rücksendungen mit Abzug.
  • Fracht und Kleinmengen: Lieferpauschalen, Mindermengenzuschläge, Eilzustellungen.
  • Preissteigerungen zwischen Angebot und Einkauf.

Wer Material zum Einkaufspreis weitergibt, trägt all das selbst. Auch Lager und die Zeit für Bestellen und Abholen sind Materialkosten. Sie stecken aber oft schon im Stundensatz, in den Gemeinkosten und in der nicht abrechenbaren Zeit. Wichtig ist nur, dass nichts doppelt verrechnet wird: Was im Stundensatz steckt, gehört nicht noch einmal in den Materialzuschlag.

2Den Materialzuschlag berechnen

Materialzuschlag = Materialgemeinkosten eines Jahres ÷ Materialeinsatz eines Jahres

Den Materialeinsatz finden Sie in der BWA oder im Jahresabschluss, meist als „Wareneinsatz“ oder „Materialaufwand“. Die Materialgemeinkosten schätzen Sie aus den Posten in Abschnitt 1. Ein Beispiel, derselbe Elektrobetrieb wie im Artikel zum Stundenverrechnungssatz:

Materialgemeinkosten eines JahresEuro
Vorfinanzierung und gebundenes Kapital2.000
Bruch, Schwund, Retouren3.500
Fracht, Mindermengen, Eilzustellungen4.000
Preissteigerungen bis zum Einkauf4.000
Materialgemeinkosten gesamt13.500

13.500 € ÷ 150.000 € Materialeinsatz = 9 Prozent Materialzuschlag

Veröffentlichte Richtwerte gehen weit auseinander: In Fachbeiträgen finden sich Spannen von 5 bis 30 Prozent, je nach Gewerk und Material. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, deshalb lohnt sich die eigene Rechnung. Für kleine Aufträge darf der Zuschlag höher sein. Dort fallen Fracht und Mindermengen stärker ins Gewicht als bei einer großen Baustelle.

3Was Wagnis und Gewinn abdeckt

Wagnis und Gewinn ist kein Gehalt. Der Lohn des Inhabers gehört als Unternehmerlohn zu den Kosten und steckt im Stundensatz. Wagnis und Gewinn ist das, was darüber hinaus übrig bleiben muss:

  • Wagnis: Forderungsausfälle, Gewährleistung und Nacharbeit, Kalkulationsfehler, schwache Monate.
  • Gewinn: Investitionen wie neue Messtechnik oder Werkstattausstattung, Rücklagen und Eigenkapital für schlechte Zeiten.

Wagnis und Gewinn = Gewinnziel eines Jahres ÷ Selbstkosten eines Jahres

Die Selbstkosten sind alles, was der Betrieb im Jahr kostet: die Kosten, die der Stundensatz deckt, dazu der Materialeinsatz und die Materialgemeinkosten.

BeispielEuro
Kosten, die der Stundensatz deckt213.000
Materialeinsatz150.000
Materialgemeinkosten13.500
Selbstkosten eines Jahres376.500
Investitionen, etwa Messtechnik und Werkstatt10.000
Risikopuffer für Forderungsausfälle und Gewährleistung10.000
Rücklagen und Eigenkapital10.000
Gewinnziel eines Jahres30.000

30.000 € ÷ 376.500 € = rund 8 Prozent Wagnis und Gewinn

Zum Vergleich: In der Baukalkulation werden für Wagnis und Gewinn häufig 4 bis 8 Prozent der Angebotssumme netto genannt. Im Beispiel sind es 7,4 Prozent, 30.000 € von 406.500 €. Deutlich höhere Sätze sind vor allem dann nötig, wenn der Unternehmerlohn nicht in den Kosten steckt. Dann muss der Zuschlag ihn mittragen.

4Was das in einer Position ausmacht

Eine Steckdose 2-fach unter Putz mit den Werten aus dem Meisterblatt-Katalog für Elektro: 22,00 Euro Material, 0,6 Stunden Montagezeit, 58,90 Euro Stundensatz.

Position Steckdose 2-fach UPEuro
Material22,00
Materialzuschlag, 9 %1,98
Lohn, 0,6 Std. × 58,90 €35,34
Zwischensumme59,32
Wagnis und Gewinn, 8 %4,75
Einzelpreis netto64,07

Ohne beide Zuschläge stünden 57,34 Euro im Angebot, 6,73 Euro weniger je Steckdose. Bei 34 Steckdosen, so viele wie im Elektro-Musterangebot, sind das rund 229 Euro, die am Ende fehlen. Und zwar nicht als Gewinn, der ausfällt, sondern als Kosten, die der Betrieb aus eigener Tasche bezahlt.

5Rechner

Tragen Sie Ihre eigenen Zahlen ein, vorbelegt sind die Werte aus dem Beispiel. Jeder Wert lässt sich ändern. Der Rechner läuft vollständig in Ihrem Browser. Es wird nichts übertragen oder gespeichert.

Material
Wagnis und Gewinn
Materialgemeinkosten13.500 € Materialzuschlag9,0 % Selbstkosten eines Jahres376.500 € Gewinnziel30.000 € Wagnis und Gewinn8,0 %

Die Kosten, die der Stundensatz deckt, liefert Ihnen der Rechner im Artikel zum Stundenverrechnungssatz.

6Typische Fehler

  • Material zum Einkaufspreis weitergeben. Dann bezahlt der Betrieb Fracht, Bruch und Vorfinanzierung selbst.
  • Lager doppelt verrechnen. Einmal in den Gemeinkosten des Stundensatzes, einmal im Materialzuschlag.
  • Unternehmerlohn als Gewinn betrachten. Wer seinen Lohn aus Wagnis und Gewinn bezahlt, hat in Wahrheit keinen Gewinn.
  • Wagnis und Gewinn auf null setzen, um den Auftrag zu bekommen. Ein Nachlass ist ehrlicher. Er steht sichtbar im Angebot und lässt sich beim nächsten Mal wieder weglassen.
  • Die Sätze nie überprüfen. Einmal im Jahr mit dem Jahresabschluss neu rechnen.

7So geht es in Meisterblatt

In den Kalkulationsdateien von Meisterblatt stehen Materialzuschlag und Wagnis und Gewinn als eigene Werte im Blatt Eingabe, vorbelegt je nach Gewerk mit 8 bis 12 Prozent Material und 7 bis 9 Prozent Wagnis und Gewinn. Sie können beide für jedes Angebot ändern. Der Materialzuschlag wirkt auf das Material, Wagnis und Gewinn auf die ganze Zwischensumme aus Material, Materialzuschlag und Lohn. Einen Nachlass führt die Datei getrennt davon.

Weichen Ihre Einkaufspreise vom Katalog ab, ändern Sie mit dem Wert Preisanpassung alle Materialpreise auf einmal, etwa um 6 Prozent bei gestiegenen Preisen.

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Hinweis: Die Zahlen im Beispiel sind gerundete Beispielwerte, keine Empfehlung für Ihren Betrieb. Maßgeblich sind Ihre eigenen Zahlen aus BWA und Jahresabschluss. Die Betriebsberater der Handwerkskammern helfen bei der Kalkulation, für Mitgliedsbetriebe meist kostenfrei.