Stundenverrechnungssatz berechnen
Ratgeber Kalkulation · Stand: September 2026
Von Fabian Brüdgam, Meister im Elektrotechnik-Handwerk
Der Stundenverrechnungssatz ist die wichtigste Zahl in Ihrer Kalkulation. Er steckt in jeder Position, in der Arbeitszeit vorkommt. Ist er zu niedrig, verliert der Betrieb bei jedem Auftrag Geld, ohne dass es auffällt. Hier sehen Sie, wie Sie ihn aus Ihren eigenen Zahlen berechnen, mit einem durchgerechneten Beispiel und einem Rechner zum Ausprobieren.
1Was der Stundensatz abdecken muss
Der Kunde bezahlt nur die Stunden, die auf der Baustelle geleistet werden. Aus diesen Stunden muss der Betrieb alles bezahlen: die Löhne einschließlich Urlaub und Krankheit, die Lohnnebenkosten, Fahrzeuge, Werkstatt, Versicherungen, das Büro und den Inhaber selbst. Der Stundenverrechnungssatz ist deshalb zuerst eine Rechnung:
Stundenverrechnungssatz = Kosten eines Jahres ÷ produktive Stunden eines Jahres
Wagnis und Gewinn kommen danach obendrauf. Ob Sie beides in den Stundensatz einrechnen oder als eigenen Zuschlag führen, ist eine Frage Ihrer Kalkulation. Wichtig ist nur, dass es nicht zweimal passiert. Dazu mehr in Abschnitt 6.
2Schritt 1: Produktive Stunden je Mitarbeiter
Der häufigste Fehler steckt im Nenner. Wer mit 52 Wochen zu 40 Stunden rechnet, teilt durch 2.080 Stunden. Verkaufen lassen sich aber deutlich weniger:
| Posten | Stunden |
|---|---|
| 52 Wochen × 40 Stunden | 2.080 |
| Urlaub, 30 Tage | − 240 |
| Feiertage, 10 Tage (je nach Bundesland) | − 80 |
| Krankheit, 10 Tage | − 80 |
| Schulung und Unterweisung, 3 Tage | − 24 |
| Anwesenheitsstunden | 1.656 |
| Nicht abrechenbare Zeit, 15 % – Rüsten, Material holen, Aufräumen, nicht berechnete Fahrten | − 248 |
| Produktive Stunden | 1.408 |
1.408 statt 2.080 Stunden: Wer mit der vollen Jahresarbeitszeit rechnet, setzt seinen Stundensatz um rund ein Drittel zu niedrig an. Setzen Sie hier Ihre tatsächlichen Werte ein: Urlaubstage laut Tarif- oder Arbeitsvertrag, Krankheitstage aus dem Vorjahr. Die nicht abrechenbare Zeit schätzen die meisten Betriebe zu niedrig. Wer es genau wissen will, schreibt vier Wochen lang mit. Im Rechner in Abschnitt 5 können Sie alle Tage und Prozentwerte an Ihren Betrieb anpassen.
3Schritt 2: Die Kosten eines Jahres
Die Zahlen stehen in Ihrer Lohnbuchhaltung, in der betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) oder im letzten Jahresabschluss. Vier Blöcke gehören hinein.
Löhne der produktiven Mitarbeiter
Der Jahresbruttolohn aller Mitarbeiter, die auf der Baustelle arbeiten, einschließlich der Urlaubs- und Krankheitstage, denn der Lohn läuft weiter.
Lohnnebenkosten
Der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung (derzeit gut 21 Prozent des Bruttolohns), der Beitrag zur Berufsgenossenschaft und die Umlagen U1 bis U3. Im Bauhauptgewerbe kommt der Beitrag zur Sozialkasse SOKA-BAU hinzu. Den genauen Satz für Ihren Betrieb nennt Ihnen Ihr Lohnbüro, im Beispiel unten stehen 25 Prozent.
Gemeinkosten
Alles, was der Betrieb kostet, ohne einer Baustelle direkt zugeordnet zu sein: Fahrzeuge mit Leasing, Kraftstoff und Versicherung, Werkstatt- und Lagermiete, Werkzeug und Messgeräte, Betriebshaftpflicht, Büro, Software und Telefon, Steuerberater, Kammer- und Innungsbeitrag, Werbung. Dazu die Gehälter von Mitarbeitern, die nicht produktiv arbeiten, etwa im Büro.
Unternehmerlohn
Als Inhaber eines Einzelunternehmens erscheinen Sie in keiner Lohnabrechnung. Trotzdem muss der Betrieb Sie bezahlen, samt Krankenversicherung und Altersvorsorge. Setzen Sie deshalb einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an, etwa so viel, wie ein angestellter Meister mit denselben Aufgaben kosten würde. Arbeiten Sie selbst auf der Baustelle mit, zählen diese Stunden in Schritt 1 zu den produktiven Stunden.
4Das Rechenbeispiel
Ein Elektrobetrieb mit Inhaber und zwei Gesellen. Der Inhaber steht rund 800 Stunden im Jahr selbst auf der Baustelle. Den Rest der Zeit schreibt er Angebote, bestellt Material und führt das Büro.
| Kosten eines Jahres | Euro |
|---|---|
| Löhne, 2 Gesellen × 42.000 € | 84.000 |
| Lohnnebenkosten, 25 % | 21.000 |
| Fahrzeuge, zwei Transporter | 19.000 |
| Werkstatt und Lager | 9.600 |
| Werkzeug, Messgeräte, Prüfungen | 5.000 |
| Versicherungen | 3.400 |
| Büro, Software, Telefon | 3.200 |
| Steuerberater | 4.200 |
| Kammer, Innung, Werbung | 3.600 |
| Kalkulatorischer Unternehmerlohn | 60.000 |
| Kosten gesamt | 213.000 |
| Produktive Stunden eines Jahres | Stunden |
|---|---|
| 2 Gesellen × 1.408 Stunden | 2.816 |
| Inhaber auf der Baustelle | 800 |
| Produktive Stunden gesamt | 3.616 |
213.000 € ÷ 3.616 Stunden = 58,90 € je Stunde
So viel kostet eine Stunde in diesem Betrieb, bevor er einen Cent verdient hat. Mit 8 Prozent Wagnis und Gewinn liegt der Verrechnungssatz bei rund 63,60 Euro.
Zum Vergleich: Mit 2.080 Stunden je Geselle käme derselbe Betrieb auf 42,94 Euro, also fast 16 Euro weniger je Stunde. Bei 3.616 verkauften Stunden fehlen am Jahresende knapp 58.000 Euro, fast der ganze Unternehmerlohn.
5Rechner
Tragen Sie Ihre eigenen Zahlen ein, vorbelegt sind die Werte aus dem Beispiel. Jeder Wert lässt sich ändern, auch Urlaubs-, Feier- und Krankheitstage. Der Rechner läuft vollständig in Ihrem Browser. Es wird nichts übertragen oder gespeichert.
6Typische Fehler
- Mit 2.080 Stunden rechnen. Der Satz fällt um rund ein Drittel zu niedrig aus.
- Den Unternehmerlohn vergessen. Dann arbeitet der Inhaber umsonst, und was als Gewinn erscheint, ist in Wahrheit sein Gehalt.
- Den Gewinn doppelt rechnen. Wer Wagnis und Gewinn schon im Stundensatz hat und im Angebot noch einmal aufschlägt, wird zu teuer.
- Gemeinkosten doppelt rechnen. Ein Materialzuschlag deckt Beschaffung und Lagerhaltung. Was dort schon drin ist, gehört nicht noch einmal in den Stundensatz.
- Den Satz jahrelang nicht anpassen. Nach jeder Lohnerhöhung und mit jedem Jahresabschluss neu rechnen.
7So verwenden Sie den Wert in Meisterblatt
In den Kalkulationsdateien von Meisterblatt tragen Sie den Stundenverrechnungssatz einmal im Blatt Eingabe ein. Wagnis und Gewinn ist dort ein eigener Zuschlag auf Material, Materialzuschlag und Lohn. Tragen Sie deshalb den Satz ohne Gewinn ein, im Beispiel 58,90 Euro, und die 8 Prozent unter Wagnis und Gewinn.
Jede Leistung im Katalog hat einen Zeitwert. Die Datei rechnet Menge × Zeitwert × Stundenverrechnungssatz und zeigt im Angebot den fertigen Einzelpreis.
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Hinweis: Die Zahlen im Beispiel sind gerundete Beispielwerte, keine Empfehlung für Ihren Betrieb. Maßgeblich sind Ihre eigenen Zahlen aus Lohnbuchhaltung und BWA. Wer Unterstützung sucht: Die Betriebsberater der Handwerkskammern helfen bei der Kalkulation, für Mitgliedsbetriebe meist kostenfrei.